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Vater werden

Ein Gedicht über das Vaterwerden


Nun, nach all der Zweisamkeit, 

da kam das Weib und sprach zu mir:

„Werter Mahl es ist so weit,

ich bekomm ein Kind von Dir!"

 

So hätt ich's mir vorgestellt,

doch entsprach dies nicht der Tat.

Sie mir stattdessen vor die Nase hält,

ein Überprüfungsaggregat.

 

Da zu sehen ein paar Streifen 

auf nem thermometerähnlichen Gerät.

Von mir verlangt wird zu begreifen,

in welche Richtung es nun geht.

 

„Oh weh!" sag ich, „Leg dich besser nieder,

wenn du so hohes Fieber hast!"

Mein Herzblatt daraufhin erwidert:

„Ich bin schwanger und nicht krank, du Spast!"

 

Meine Antwort: „Na so ein Dreck,

hättest mal besser Fieber.

Das geht nämlich schneller weg!"

Ich wünscht, ich hätt geschwiegen lieber ...

 

Der Magiemoment war nun zerstört,

die Botschaft wurde spät vernommen.

Meine Freundin, bereits schon ganz empört,

hat dann ungefragt noch Tipps bekommen:

 

„Sag's mir einfach beim nächsten Mal, 

da weiß man gleich, woran man ist.

Und solche Tests, die gibt's auch digital,

worauf dann drauf steht, was du bist!"

 

„Bevor ich mich noch mal blamiere,

wär das wohl besser, meinst du nicht?

Zudem, jene Dinge, worauf ich uriniere, 

halt ich dir auch nicht ins Gesicht!"

 










Nach den ersten Streitigkeiten 

schritten wir voran zur Tat.

Denn jetzt gilt es sich vorzubereiten 

auf das, was demnächst so alles naht.

 

Doch zunächst gilt es zu verkünden

dem Freundes- und Familienkreis,

was nun entsteht aus Liebessünden,

damit's auch wirklich jeder weiß.

 

Heute sagt man: „Wir sind schwanger",

was ich ja nicht so recht versteh.

Denn wird der Frau stets bang und banger,

tut dem Mann am Ende gar nix weh.

 

Ok, später vielleicht das Portemonnaie ...

 

Bei Verwandten und Bekannten 

wurde freudig die Botschaft serviert.

Da fragt ein Teil der Genannten:

„Ja, wie ist das denn bloß passiert?!"

 

„Ja, was soll denn diese blöde Frage?

Wir hatten halt Geschlechtsverkehr.

Liebe Eltern auf eure alten Tage,

kennt ihr das denn gar nicht mehr?"

 

Ist auch egal, wie dem auch sei,

nun geht's auf zur Shopping-Tour.

Besorgt werden muss so allerlei,

doch wer bezahlt das alles nur?

 

Auch diese Frage kann MANN sich sparen,

das ist ja wohl im Vorfeld klar,

ein werdender Vater wird dann erfahren,

wie teuer der Sex tatsächlich war.

 










Ja, für Sex bezahlen alle,

falls das noch nicht jeder weiß.

Nur bei den Nutten gibt's keine Falle,

denn die sind ehrlich mit dem Preis.

 

Ok, das ist ja nicht das Gleiche,

denn hier geht's ja ums Familienglück.

Und ist die Familie auch keine reiche,

legt sie sich dennoch was zurück.

 

Drauf losgekauft wird froh und heiter:

Kinderwagen, Wickeltisch und Klamotten sowieso,

mit dem Spielzeug geht es weiter,

sonst wird das Kind ja auch nicht froh ...

 

Neues Bett und neue Schränke, 

ratet mal, wer es aufbauen kann.

Wär ich jetzt lieber in der Schänke,

doch so ist das nun als Mann.

 

Wobei, die Mutter ist nicht besser dran,

das möcht ich damit niemals sagen.

Verkürzt wär die Lebenszeit als Mann,

sollte er so was jemals wagen. 

 

Hat man alles dann besorgt,

passiert auch erst mal nicht mehr viel.

Vergessenes wird zur Not geborgt

und es beginnt das Wartespiel.

 

Die Freundin ist nun kugelrund,

viel kann Sie nicht mehr tun.

Wir gehen spazieren, das ist gesund,

doch die Bekannten lauern nun.

 

An jeder Ecke hat sich jemand versteckt, 

wie im Krieg steht man im Visier.

Wurde man dann erst entdeckt, 

folgt die Attacke in Überfallmanier.

 

Ein Jeder kommt ganz ungefragt,

um den Bauch der Freundin zu betouchen.

Bis zu dem Punkt, an dem man sagt:

"Fass Sie an und dann wird's klatschen!"

 

Werdende Eltern kennen das Phänomen,

alle begrüßen gern den Bauch.

Doch die Adipösen sich besonders schämen, 

tut man dasselbe mit Ihnen dann auch!

 

So vergehen nun die Tage

in der sogenannten Kugelzeit.

Ganz gewiss und ohne Frage

kommt der Tag, da ist's so weit.

 

Dann hat's plötzlich Plopp gemacht

und bei der Freundin ergießt sich ein Schwall.

Da frag ich wieder mal unbedacht:

„Warum bist du nass da, überall?”

 

„Weil unser Kind kommt, du Idiot!”,

die Antwort, die kam prompt heraus.

„Ja, dann fahren wir los in aller Not”,

für mein Verhalten gab’s kein Applaus.

 

Im Krankenhaus dann angekommen,

passiert dann erst mal nicht so viel.

Routinemäßig wird die Freundin weggenommen,

es folgt erneut das Wartespiel.

 

Nach mehreren Stunden und gefühlten Tagen

darf ich endlich in den Kreißsaal rein.

Wo es hingeht? Das muss mir keiner sagen,

ich hör die Liebste schon von Weitem schreien.

 

“Bleibense ruhig und schließense die Beine!”

…die Hebamme meiner Freundin rät.

Das ist zwar nett, aber ich meine,

das kommt dann 9 Monate zu spät!

 

Nun ist es so weit, nach all dem Geschrei,

da kommt das Baby endlich raus.

Im Kreißsaal sieht’s zwar aus wie in ner Fleischerei,

doch für mich sah nie etwas schöner aus.

 

All das, was dir am liebsten ist,

siehst du zum ersten Mal vereint.

Du realisierst nun, dass du Vater bist,

ich gebe zu, ich hab geweint.

 

Wenn du endlich Vater bist,

ein jeder Mann exakt dann erfährt,

was bedingungslose Liebe ist

und am Ende war's das alles wert.

 



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