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Rette die Dorfvereine, rette deine Heimat!

Verein tot, Kultur tot, Dorf tot - Rette deine Heimat! Hurra, das ganze Dorf ist da! Tja, die Frage ist, wie lange noch? Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern sterben immer mehr Dorfvereine. Wetten, dass du auch einen Dorfverein kennst, den es heute nicht mehr gibt? Ich hätte da eine Idee, wie wir das Vereinssterben verhindern. Was jetzt kommt, ist nicht unwichtig.  Dir sind Dorfvereine egal oder du bist Stadtbewohner? Gut, dann wirst auch du die Folgen des Vereinssterbens auf den Dörfern zu spüren bekommen. Du möchtest unsere Umwelt retten und nicht unsere Vereine? Ich erkläre dir, wie beides miteinander zusammenhängt. Schau dir diesen Text an und entscheide, ob du den Vereinen und Dörfern weiterhin beim Verrecken zuschauen möchtest! Slogan: "Rettet die Dorfvereine!" (Darf gerne verbreitet werden 😀)  Wozu dient der Dorfverein? Flächenländer wie Mecklenburg-Vorpommern brauchen jeden Verein. Wenn Vereine auf Dörfern wegsterben, was macht das Leben dort noch attraktiv? Das Mee

Ode an Riems (und auch Gristow) ...mehr als Seuchen und Säufer

Die Insel Riems ist für viele Menschen bekannt als die gefährlichste Insel Deutschlands. Das dort ansässige Friedrich-Löffler-Institut ist eines der ältesten virologischen Forschungsstätten der Welt und gleicht einem Hochsicherheitstrakt. Hinter den Mauern des Instituts werden unter anderem Tierseuchen untersucht. Wenn man nicht gerade dort arbeitet, dann hat ein Normalsterblicher kaum Zugriff auf die Labore der höchsten Sicherheitsstufe. Die “Seucheninsel” in der Ostsee ist nicht gerade als Urlaubsparadies bekannt (Es sei denn, man hat eine Leidenschaft für Tierseuchen, ich jedenfalls nicht).😷 

Riemserort (vorne) und Insel Riems (hinten)


Riems besteht jedoch nicht nur aus der Insel selbst, sondern auch aus dem Vorort, besser bekannt als Riemserort. Dieser Ort hat in erster Linie regional jetzt auch nicht unbedingt den Ruf einer Urlaubsregion. Das liegt unter anderem daran, dass sich im Nachbarort Gristow (fließender Übergang zu Riems) die Fachklinik Gristower Wiek befindet. Die Klinik ist ein ehemaliges Bungalowdorf, das heute zur Johanna-Odebrecht-Stiftung gehört. Ein Therapiezentrum für die Rehabilitation von Abhängigkeitserkrankungen. In Greifswald und Umgebung ist die Johanna-Odebrecht-Stiftung bestens bekannt für psychisch kranke Patienten. Insbesondere Patienten, die ein Problem mit Alkohol haben, kommen "in der Odebrecht" unter. Na gut, genau genommen haben die besagten Menschen dann ein Problem, wenn sie keinen Alkohol haben. Ganz nach dem Motto: “Schluckst du wie ein Specht, dann ab mit dir zur Odebrecht!”🍻


Was bedeutet das jetzt für Riems und die Umgebung? Eigentlich gar nichts! Denn ich habe Riems stets mit ganz anderen Augen wahrgenommen. Als ich vor einigen Jahren nach Greifswald gezogen bin, habe ich einen neuen Fußballverein gesucht. Da ich auf dem Dorf aufgewachsen bin und das Leben dort schätze, wollte ich zumindest meine Freizeit häufig auf dem Dorf verbringen. Also habe ich online Ausschau gehalten und siehe da: “Wir suchen dich!...Riemser FV”. Eine Suchanfrage auf Facebook fand mich. Da ich es als gelernter Fleischer ohnehin schon häufig mit den Ausdünstungen von Rindviechern zu tun hatte (und ich meine damit nicht nur die Tiere), war mir die angebliche “Gefahr” der Insel Wurst (haha, Fleischer…Wurst...verstanden?). 🙈👎

Vereinslogo des Riemser FV


Ich kam zum ersten Probetraining und merkte schnell: “Cool, die sind genauso schlecht wie ich!”. Darüber hinaus spielt man dort Fußball auf einem Sportplatz am Meer, wie geil ist das denn?! An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich aus dem Erzgebirge komme. Da betrachte ich das Boddengewässer schon als Meer 😅(Ich bitte diese interkulturelle Diskrepanz zu entschuldigen). Fakt war eins, ich hatte mich direkt neu verliebt.😍 Mir blieb in den nachfolgenden Trainingstagen eine Szene besonders in Erinnerung. Einer meiner Mitspieler ging mit Kippe im Mund und Bierflasche in der Hand umgezogen zum Trainingsauftakt. Wow! 🍺🚬  

Noch nirgendwo hab ich den Spirit der Bierliga so erlebt wie auf Riems! Naja, dass die Saison nicht unbedingt von Erfolg gekrönt war, kann man sich denken. Es sei aber erwähnt, dass wir auch Spiele gewonnen haben, wenn wir zur Abwechslung mal mit 11 Mann auf dem Platz standen.💪

Blick vom Riemser Sportplatz zum Bodden (Insel Rügen am Horizont)


Der sportliche Erfolg hat für mich jedoch kaum eine Rolle gespielt. Da ich ständig im Leben von A nach B gezogen bin, habe ich eine Sache viel mehr schätzen gelernt: Freundschaft. Auf und um Riems wird Freundschaft und freundschaftlicher Umgang großgeschrieben. Viele Menschen, die dort schon lange wohnen, unterstützen sich gegenseitig, wo sie nur können. Sei es bei Umzügen, wenn jemand etwas braucht oder einfach nur das gesellschaftliche Miteinander. 

Das Riemser Netzwerk schien mir stets besser organisiert zu sein als die Struktur einer Mafia. "Du brauchst Werkzeug?" "Dann geh zu…" "Du brauchst ein Umzugsauto?" "Ich gebe dir hier mal die Nummer von…" "Du möchtest eine Leiche entsorgen?" "Moment…". Ok, das Letzte ist nicht passiert. Aber ich bin überzeugt, wenn es den perfekten Mord gibt, dann auf Riems!🤣

Wenn Riemser sich auf ein Bier treffen, dann kommen alle vorbei


Nicht nur auf Riems, sondern in vielen Dörfern Mecklenburg-Vorpommerns gibt es noch das, was insbesondere viele ehemalige DDR-Bürger vermissen: Zusammenhalt. 

In dieser Wegwerf- und Ellbogengesellschaft ist das bei Weitem mehr wert als jegliches Kapital. Das Miteinander und der freundliche Umgang, wie es ihn noch in den ländlichen Regionen des Nordostens gibt, kann nicht gekauft, sondern nur gelebt werden!


Später zog ich von Greifswald nach Riems und wurde (mehr oder weniger) Teil des Ganzen. Na ja, es kam die Corona-Zeit und das hat auch dort das Zusammenleben erschwert. Das war für mich jedoch die Gelegenheit, die Ortschaft besser kennenzulernen. Ich tätigte regelmäßig meine Jogging-Runden am Sportplatz und am Bodden vorbei, durch den Wald nach Gristow zum Hafen und am Deich entlang wieder zurück zu meiner Wohnung. Bis heute eine der schönsten Laufrouten, die ich je entlang gegangen bin (Okay, ich jogge nicht häufig, aber da ist es wirklich schön). Deshalb habe ich auch Gristow stets in guter Erinnerung. 😉

Schweren Herzens bin ich später aus privaten Gründen von Riems weggezogen. Ein Teil von mir ist jedoch bis heute dort geblieben (Ich hab da nämlich noch Fußballschuhe im Vereinsheim 😅). 

Gristower Hafen im Winter


Der Riemser Fußballverein musste sich vor ein paar Jahren vom eigenständigen Spielbetrieb abmelden, da einfach die Leute fehlten. Infolge dessen versuchte man es mit einer Spielgemeinschaft, die heute leider auch nicht mehr existiert. Dennoch hat es der Verein insbesondere aufgrund des Fleißes und des besagten Zusammenhaltes der eigenen Mitglieder geschafft, wieder etwas Neues aufzubauen. Der Riemser FV ist ein Dorfverein, der mit neuen Ideen und viel Engagement genauso rehabilitiert wurde, wie viele Alkoholiker in derselben Gegend. Nur mit dem Unterschied, dass beim Riemser FV der Alkoholkonsum deutlich höher ist als in der Johanna-Odebrecht-Stiftung.🥂🥃🍻

Abschließend lässt sich dennoch sagen: 

Riems hat mehr zu bieten als Seuchen und Säufer!

Vielen Dank fürs Lesen! 🤪


Preview: 

Bei meinem nächsten Beitrag möchte ich erläutern, wie wichtig Vereine für ländliche Regionen sind. Viele Vereine in Mecklenburg-Vorpommern sind vor dem Aussterben bedroht. Wenn es jedoch möglich ist, kleine Vereine wie den Riemser FV wiederzubeleben, warum sollte das nicht auch bei anderen funktionieren? Ich möchte Tipps und Anregungen geben, wie man das realisieren kann. 



Kommentare

  1. Sehr schön zu lesen!
    Du schreibst als "Youngster" wirklich mit Leidenschaft die manchem Urgestein mittlerweile fehlt... dazu kommt Kreativität, ein Hauch Sarkasmus und das nötigen Fingerspitzengefühl 😉 ganz nach meiner Fasson.

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