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Rette die Dorfvereine, rette deine Heimat!

Verein tot, Kultur tot, Dorf tot - Rette deine Heimat!

Hurra, das ganze Dorf ist da! Tja, die Frage ist, wie lange noch? Nicht nur in Mecklenburg-Vorpommern sterben immer mehr Dorfvereine. Wetten, dass du auch einen Dorfverein kennst, den es heute nicht mehr gibt? Ich hätte da eine Idee, wie wir das Vereinssterben verhindern. Was jetzt kommt, ist nicht unwichtig. 

Dir sind Dorfvereine egal oder du bist Stadtbewohner? Gut, dann wirst auch du die Folgen des Vereinssterbens auf den Dörfern zu spüren bekommen. Du möchtest unsere Umwelt retten und nicht unsere Vereine? Ich erkläre dir, wie beides miteinander zusammenhängt. Schau dir diesen Text an und entscheide, ob du den Vereinen und Dörfern weiterhin beim Verrecken zuschauen möchtest!


Slogan: "Rettet die Dorfvereine!" (Darf gerne verbreitet werden 😀) 

Wozu dient der Dorfverein?

Flächenländer wie Mecklenburg-Vorpommern brauchen jeden Verein. Wenn Vereine auf Dörfern wegsterben, was macht das Leben dort noch attraktiv? Das Meer, Strände und Seen allein reichen nicht für ein erfülltes Leben (machen es aber geiler! 😉) Ein Menschenleben braucht Kultur und Vereine im Dorf sind deshalb notwendig. Sei es das Vereinsfest, Karneval (ja, gibts auch in MV) oder die Schlägerei im Bierzelt (vielerorts Tradition), die Dorfvereine gestalten das Kulturleben.


Foto einer Veranstaltung des Techentiner Carneval Club e.V.

Wer braucht schon Kultur?

Hazel Brugger sagte auf der Bühne sinngemäß, dass Kultur nur eine Art “Luxus” sei, um uns vom Sterben abzulenken. Joa, da hat sie irgendwie recht. 

Ein Leben ohne Kultur ist trotzdem unvorstellbar. Wir haben in der Corona-Pandemie mehr als deutlich zu spüren bekommen, wie sich ein Mangel an Kultur anfühlt. Fällt von jetzt auf gleich alles weg, merkst du, was dir fehlt! Auf Dörfern hast du in Zeiten ohne Pandemie noch die gute Nachbarschaft. Du triffst dich in Garagen oder bei anderen im Haus und weißt das zu schätzen. In so ein Leben wächst du über Jahre hinweg hinein, kannst aber einen Außenstehenden nur schwer dafür begeistern. Am wenigsten begeistert so ein Leben die Kinder. Kinder brauchen Action, oder anders: Kultur!


Wer wohnt schon auf dem Dorf?

Natürlich gibt es Leute, die kein Dorfbums wollen und gerne darauf verzichten. Das trifft beispielsweise auf Menschen zu, die in der Stadt wohnen oder ihre Ruhe haben möchten. Das Dorf ist für manche Leute nur interessant, weil dort die Mieten und Grundstückspreise günstiger sind als in der Stadt. In den letzten Jahren verzeichnet sich diesbezüglich ein Trend für die Dörfer. Immer mehr Familien möchten ihr Leben auf dem Land verbringen, um den Kindern ein schönes und sicheres Leben zu bieten. 

Die Frage ist nur, wie gut tut es den Kindern, wenn sie kaum Spielkameraden haben? Ist das Leben für Jugendliche tatsächlich schön, wenn die nächste Disco ca. 50 km entfernt ist (für viele Teenies ist das schon verdammt nah)? Die Schlussfolgerung für junge Menschen: Landflucht. Der Trend der Zuzüge ist leider nicht so stark wie die Sterbe- und Landflucht-Rate. Die Dörfer drohen, ohne zu übertreiben, auszusterben. Wir kennen das als die Konsequenzen der demografischen Entwicklung.


Gemeinsames Baumpflanzen im Rahmen des "Frühjahrsputzes" der Dorfgemeinschaft Böken e.V. 

Die Folgen der Landflucht

Die Städte werden überfüllter und die Mieten dort explodieren. Als lebenslanger Stadtbewohner trifft dich das Dorfsterben somit auch (Siehste, sag ich doch!). Die Stadt ist toll und großartig und hat weitaus mehr zu bieten als das heimische Kuhkaff. Bist du ein junger Mensch, hast du vermutlich dieses Mindset. Du möchtest dich selbst verwirklichen. Deshalb gründest du lieber ein smartes Start-up in Berlin als in der Dorfbude deines Vaters zu arbeiten. Als junger und intelligenter Mensch willst du Innovation statt Dorftradition. Wer sagt eigentlich, dass du nicht beides miteinander verbinden kannst (Idee folgt)? Klar, in der Stadt kannst du mehr Geld verdienen. Für die "neuen" Generationen hat das aber nicht mehr die oberste Priorität.


Ein Ansatz zur Lösung für die Rettung der Dorfvereine

Die Generationen der Zukunft sind für Dorfvereine die Chance zum Überleben. Ich meine damit die Generationen Z (darf ich die noch so nennen?🤔)und Alpha (hat nix mit Alpha-Kevin zu tun). Die Jugend von heute will bekannterweise die ganze (Um-)Welt retten. Perfekt, dann fangt im Heimatdorf an! 

"Wie meine ich das?" 

"Wie soll das gehen?"

Klar, das Landleben ist in der Summe energieintensiver als das Leben in der Stadt. Wenn sich mehr Menschen dafür entscheiden, auf dem Land zu bleiben, ändert sich das. Die Gleichung ist einfach: 

Mehr Menschen = mehr Geld für die Kommune = mehr öffentlicher Nahverkehr 

= mehr Möglichkeiten für Radwege = Ladestationen neben dem Schweinestall usw… 


Die Digitalisierung und mehr Homeoffice-Jobs ermöglichen es, nicht mehr für die Arbeit weit weg zu ziehen. Gut, dafür muss dann aber auch mal Internet im letzten Bauerndorf vorhanden sein (Grüße an den Berliner Reichstag!). Die Leute kaufen heute mit Vorliebe Bio und regional. Tante Emma öffnet somit ihren Laden neu, weil sich dieser wieder rentiert. Junge Menschen der neuen Generationen suchen nach Wertschätzung, nicht nach Geld. Dorfvereine sind auf der Suche nach Mitgliedern. Wenn sich Dorfvereine geschickt anstellen, dann trifft Angebot auf Nachfrage. Sowohl das Konsumverhalten als auch der Lifestyle junger Menschen spielt den Dörfern in die Karten. Dörfer, nutzt eure Chancen!


Banner und Vereinswappen des BSV Kessin e.V. an der heimischen "Kuhstallarena" neben dem Storchennest in Bandelstorf

Lasst die jungen Leute ran, ihr alten Säcke!

Generationen in Vereinen ergänzen sich hervorragend. Nehmen wir das Thema: Mitglieder gewinnen. Hildegard im Vorstand des Heimatvereins setzt auf Mundpropaganda und Handzettel. Leon erstellt einen Instagram-Account und bringt eigene Ideen ein, wie der Heimatverein für seine Zielgruppe attraktiver wird. Genau hier kommt die Selbstverwirklichung für Kids ins Spiel. Junge Menschen haben Qualifikationen, von denen die Alten nicht wissen, wie nützlich diese sind. Die Chefin des Vereins ist nach wie vor Hildegard, da hat Leon ja keine Ahnung von und kein Bock drauf (noch nicht). Stell dir vor, es gelingt den heutigen Generationen auf diese Art Hand in Hand zu arbeiten. Was wäre möglich? Denk mal drüber nach!

 

Du machst es dir selbst am besten!

Bevor jemand fragen sollte: Ja, die Überschrift ist mit Absicht so anstößig😅. Immerhin liest du den Text ja noch! 😉

Das Zauberwort heißt: Lokalpatriotismus. Bitte versteh das Wort “Patriotismus” nicht falsch. Der Deutsche hat die Macke, dazu zu neigen. Leider kenne ich selbst Dörfer in Mecklenburg-Vorpommern, da tragen sogar die Hunde Bomberjacken (sind aber Ausnahmen!!!). Ich verfolge stattdessen folgenden Ansatz: Wie wäre es, wenn wir das Dorfleben so schön gestalten, dass unsere Kinder gar nicht weg wollen? Was wäre wenn unsere Kinder das Dorf lieben und stolz darauf sind? Ich behaupte, dass jeder, der die Dorfkultur mitgestaltet, auch stolz drauf ist.


Wie komme ich darauf, dass man Dörfer und Dorfvereine retten kann?

Die Antwort ist einfach: ich habe alles mehrfach miterlebt. Ich wuchs in einem kleinen Ort im Erzgebirge auf (Jahnsbach). Dort konnte ich in meiner Jugend zur Schule, zum Tante-Emma-Laden, zum Imbiss oder zum Getränkehandel gehen. Als ich dort wegzog, existierte nichts mehr von all dem. Einen kulturellen Lichtblick schaffen nur noch die Einwohner in Jahnsbach. Neben ansässigen Unternehmern und der Kirchgemeinde sind besonders die aktiven Vereine im Ort hervorzuheben. Dem Jugendclub in Jahnsbach gelingt es beispielsweise jährlich Dorffeste mit wachsender Besucherzahl zu veranstalten. Durch dieses Engagement gewann der Jugendclub neue Mitglieder und schafft Dorfkultur. 


Bild von der ersten Tanzveranstaltung des Riemser FV e.V. : "Riems tanzt 2022!"

Ein Positivbeispiel aus Mecklenburg-Vorpommern ist der Riemser FV. Vor ein paar Jahren sah es noch so aus, als ob sich die Truppe auflöst. Der Verein schaffte stattdessen ein Angebot für Kinder und verdoppelte seine Mitgliederzahl (Tendenz steigend). Ich konnte dabei mithelfen und wurde Zeitzeuge, wie man einen Dorfverein rettet. Sicher kennst auch du Vereine, die Großes für sich und ihren Heimatort leisten. Lasst uns zusammen dafür sorgen, dass das so bleibt!


Mein Appell an alle Dorfvereine: 

Tut etwas für die Kultur eures Ortes und für die Kinder! 

Lasst die Jugend mitbestimmen und werdet moderner!

 

Mein Appell an alle Einwohner in Dörfern: 

Wenn ihr eure Heimat liebt, dann unterstützt eure Vereine!

 

Vielen Dank fürs Lesen!



Noch eine Anmerkung zum Schluss:

Ich habe im Vorfeld online viele kleine Dorfvereine speziell in MV angeschrieben, um diesen Beitrag mit Fotos zu untermalen. Entweder die Vereine haben nicht auf meine Anfrage geantwortet, mussten wochenlang überlegen, haben es vergessen oder waren gar nicht mit den angegebenen Daten aus dem Internet erreichbar. 

Ohne zu übertreiben, es war eine Katastrophe!!! 

Es bestätigt leider sehr, dass insbesondere kleine Dorfvereine viel moderner werden müssen! Wenn ein Typ anklopft, der kostenlos für Vereine Werbung machen möchte, dann darf es keine Hürden geben! Manche Vereine müssen sich wirklich nicht wundern, wenn sie plötzlich am Abgrund ihrer Existenz stehen. Das hat dann mit demographischer Entwicklung nichts zu tun! Gerade jetzt, wenn alle Preise steigen, brauchen Dorfvereine jede Hilfe! 

In diesem Zusammenhang bedanke ich mich nochmal bei allen Vereinen, die mir ihre Fotos zur Verfügung gestellt haben. Ihr seid mit gutem Beispiel vorangegangen und auf euch trifft diese Anmerkung nicht zu.


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